Der Reise-Butler ist die Smartphone-App für den wissbegierigen Reisenden und Fallbeispiel für die Methode CARDS+.


Eine Woche später ist Moritz wieder mit dem Team zusammen. In den nächsten beiden Stunden wollen sie gemeinsam die wichtigsten Informationsobjekte identifizieren. Moritz hat Vorschläge, die er in gewohnter Manier am Flipchart besprechen möchte. Das Bild von letzter Woche hängt er daneben an die Wand.

Moritz erklärt das Ziel für heute: « Schaut euch die Komponenten und Schichten an. Nun überlegt euch, welche Daten zwischen den Komponenten ausgetauscht werden. Definiert Informationsobjekte und gebt ihnen einen eindeutigen Namen. » Er betont, dass es sich um ein reines Verständnismodell handelt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Attribute und Relationen. Gemeinsam beschließen sie, die Komponenten von unten nach oben zu durchlaufen.

Anne schlägt vor, mit den Begriffen aus dem Topic Wissen zu starten, um die Informationsobjekte im Backend zu finden. Bald klebt jeder Begriff als Zettel am Flipchart.

« Was haben diese Begriffe gemeinsam, was unterscheidet sie? », fragt Moritz.

Dazu soll sich jeder Gedanken machen. Maximal zwei Minuten hat jeder Zeit, Worte auf einen kleinen Klebezettel zu schreiben, die er mit dem genannten Begriff verbindet. Moritz nimmt sein Smartphone in die Hand und stellt die Stoppuhr. Neun Begriffe, maximal zwanzig Minuten. Nach Ablauf der Zeit sammelt er die Zettel ein und ordnet sie den Begriffen am Flipchart zu. Duplikate wirft er weg, nachdem er eine Strichliste ergänzt hat. Langsam ergibt sich ein Bild, welche Eigenschaften für alle Begriffe gleich oder ähnlich sind. Aber es ist auch gut erkennbar, wo es klare Unterschiede gibt.

Bei allen Begriffen – mit Ausnahme von Ereignis – steht das Wort Ort. Ein Ort ist mit einer geografischen Lage verbunden. Bei Navigationsgeräten gibt es den Begriff Point of Interest (kurz POI) als Überbegriff über alle besonderen Bauwerke, Sehenswürdigkeiten, Freizeiteinrichtungen und ganz allgemein Angebote wie Restaurants, Tankstellen, Apotheken oder Banken. Moritz schlägt darum Punkt als Oberbegriff für alle Begriffe vor, die eine fixe Lage haben. Bei der Zuordnung von Rettungsdienst und Unternehmen vor Ort, die Dienstleistungen anbieten, erkennen sie noch den Kontakt, also Adresse, Telefonnummer oder E-Mail, als ein wesentliches Merkmal zur Abgrenzung zu Bauwerken oder Landschaft. Sie legen Dienst als Oberbegriff für jede Art von Dienstleistung fest. Alle anderen ortsbezogenen Begriffe sind einfach Objekte. Einzig Ereignis passt nicht zum Oberbegriff Punkt. Ein Feiertag ist an keinen Ort gebunden, sondern bestenfalls regional beschränkt. Veranstaltungen hingegen können an mehr als einem Ort stattfinden. Aber eine Gemeinsamkeit gibt es trotzdem bei Ereignissen: Einen Termin.

Gemeinsam verarbeiten sie die gesammelten Informationen und Annahmen zu einem Modell. Die zentrale Klasse bekommt den Arbeitstitel Punkt.

Zur Einstimmung auf die Fachklassen für den Fahrplan erwähnt Moritz den Begriff Station als Teil der Fahrtroute eines Verkehrsmittels. So eine Station, also ein Bahnhof oder eine Haltestelle, hat eine geografische Lage und ist demzufolge ebenfalls dem Oberbegriff Punkt zuzuordnen.

Während Moritz die weiteren Fachklassen Fahrtereignis, Fahrtabschnitt und Fahrt zeichnet, erklärt er dem Team, dass er aus seinen Projekten der letzten vier Jahre eine sehr gute Vorstellung von den Informationsobjekten eines Fahrplans bekommen hat: « Es gibt zwei grundlegende Ansätze. Das erste Modell einer Fahrt basiert auf einer Kette von Halten mit Ankunft und Abfahrt an der gleichen Station. Im zweiten Modell ist die Fahrt eine Liste von Fahrtabschnitten mit Abfahrt und Ankunft an zwei aufeinander folgenden Stationen. Das abschnittbezogene Modell ist meiner Meinung für uns genau richtig. Es passt für alle fahrplangebundenen Verkehre, also Züge, Schnellbahnen, Straßenbahnen, Busse. Abschnitte können mit Strecken verknüpft werden. Start und Ziel einer Fahrt sind keine Sonderfälle. »

« Was für Sonderfälle? », fragt Tim.

« Stell dir eine Zugfahrt als Kette von Halten mit Ankunft und Abfahrt vor. Dann gibt es am Startbahnhof nur einen halben Halt, weil es keine Ankunft gibt, nur eine Abfahrt. Und das Ziel ist ein halber Halt, weil es nur eine Ankunft gibt, aber keine Abfahrt. Zumindest aus Sicht eines Reisenden », antwortet Moritz.

Richard stellt die nächste Frage: « Du schreibst immer Fahrt. Aber was ist dann ein Fahrplan? »

« Ihr kennt doch die Fahrplanauskunft im DB Navigator. Du gibst dort deine Reisedaten ein und die App findet Zugfahrten, je nach Fahrplan eine Direktverbindung oder mehrere Fahrten mit Umstieg. Im Fahrplan sind alle Zugfahrten hinterlegt, mit geplanter Ankunft und Abfahrt an den Bahnhöfen. Eine Zugfahrt kann täglich verkehren, es kann aber Ausnahmen geben, z.B. nur werktags oder nicht an bestimmten Feiertagen. Den Fahrplan gibt es natürlich nicht nur für Züge, sondern auch für andere Verkehrsmittel wie Tram oder Bus. Der Fahrplan beschreibt das Angebot der Verkehrsunternehmen für den Reisenden », erklärt Moritz.

Julius meint: « Ich verstehe das so: Aus einem Fahrplan wird eine Fahrt, wenn ich mich auf ein bestimmtes Datum festlege. »

« Ganz genau! », bestätigt Moritz: « Ein Fahrplan gilt in der Regel ein Jahr lang. Eine Fahrt ist genau an einem bestimmten Tag gültig. Das ist der sogenannte Verkehrstag. »

So diskutieren sie noch eine Weile bis es Zeit wird für eine Pause.

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