Der Reise-Butler ist die Smartphone-App für den wissbegierigen Reisenden und Fallbeispiel für die Methode CARDS+.


Der Tag ist gekommen, an dem Moritz das Team der Studenten der TU kennenlernen wird. Per E-Mail vereinbaren sie Zeit und Ort für das Kickoff. So bezeichnet es zumindest Moritz in seinem Kalender. Die Veranstaltung findet am frühen Abend statt. Die Universität stellt einen Seminarraum zur Verfügung. Moritz fühlt sich gut vorbereitet. Er hat bereits viele Informationen gesammelt und im Wiki dokumentiert, ein Beamer wäre auch vorhanden. Aber er hat sich vorgenommen, die Projektidee gemeinsam mit den Studenten am Flipchart zu entwickeln. Moritz hat die Erfahrung gemacht, dass die gemeinsame Erarbeitung einer Idee viel mehr Eindruck hinterlässt als eine kühle Präsentation mit Frontalvortrag.

Neben den fünf Studenten Julius, Richard, Georg, Anne und Tim ist ein Betreuer der TU, Sebastian, anwesend. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ergreift Sebastian das Wort und erklärt Moritz die Vorgaben und Randbedingungen, die für das Projekt und die Studenten gelten. Moritz gewinnt daraus die erste wichtige Erkenntnis: agile Entwicklung ist nicht nur möglich, sondern sogar gewünscht. Auf Wunsch der Studenten ist es aber nicht Scrum, sondern eine Form von Kanban. Das Team hat die Pflicht, eine Projektbeschreibung zu Beginn des Projektes zu erarbeiten. Sie muss eine Vision und eine fachliche Beschreibung enthalten, die Moritz ganz stark an ein Pflichtenheft erinnert. Sebastian erklärt, dass die Beurteilung für die Studenten von zwei Faktoren abhängt: Die Qualität des Pflichtenheftes und die Bestätigung des Auftraggebers, dass alle zu Beginn definierten Ziele des Projektes von den Studenten am Ende erreicht wurden. Die Qualität des Produktes oder die Erstellung einer Produktdokumentation spielt überraschenderweise keine Rolle.

Moritz ist jetzt an der Reihe. Er erzählt die Geschichte von der Entstehung der Idee des Reise-Butlers und skizziert die von ihm vorbereiteten Topics. Die anfängliche Anspannung der Studenten lässt nach. Die Fragen der Studenten zeigen, dass sie die Idee verstehen. Sie beginnen bereits, vorsichtig erste eigene Vorschläge zu machen, welches Wissen der Reise-Butler vermitteln soll, z.B. gibt es einen McDonalds-Laden am Umstiegsort und wo ist der.

Mehr an den Betreuer der Studenten gerichtet formuliert Moritz den Wunsch, dass die Studenten die Methode CARDS+ für inkrementelles Dokumentieren nutzen. Ziel ist die Erstellung einer Produktdokumentation, die den Umfang des Produktes zum Zeitpunkt des Projektabschlusses beschreibt. Sebastian und die Studenten werden etwas unruhig.

« Wie funktioniert CARDS+? », fragt Julius als Erster.

« CARDS+ ist ein agiler Ansatz, um eine Dokumentation inkrementell zu erstellen. Die Methode erfordert den Einsatz eines Wiki. In unserem Fall ist es Confluence, dass von meiner Firma zur Verfügung gestellt wird. Die Dokumentation ist hierarchisch aufgebaut. Für die Erfassung der Inhalte definiert die Methode vorgefertigte Bausteine. », erklärt Moritz und ergänzt: « Ich habe für meine Vorbereitung auf den Projektstart bereits mit der Dokumentation begonnen. Ich könnte euch den aktuellen Stand auch zeigen. Allerdings befürchte ich, dass heute die Zeit nicht mehr reicht, die Dokumentation jetzt durchzugehen. »

« Ist dieses Vorgehen nicht zu aufwändig für die Laufzeit des Projektes? », fragt Sebastian.

Moritz ist froh, dass diese Frage gestellt wurde. « Nein, im Gegenteil. CARDS+ hilft uns dabei, die von der TU geforderte Projektbeschreibung zielgerichtet zu erstellen. Mit den Bausteinen Topic, Epic und Case können wird sehr schnell die Grundlagen für ein Pflichtenheft schaffen. Die Vision ist schon vorhanden und fertig formuliert. Die Projektbeschreibung wird mit geringem manuellen Aufwand aus Confluence exportiert. Es ist eine echte Win-Win-Situation: Ihr erfüllt eure Vorgaben, wir bekommen eine Produktbeschreibung. »

« Verstehe », sagt Sebastian, « Aber ich kann und darf nur die Leistung der Studenten berücksichtigen. »

« Natürlich arbeiten wir als Team laufend an der Verbesserung der Dokumentation. », versichert Moritz. « Die große Stärke von CARDS+ ist, dass wir die Dokumentation inkrementell erstellen können, mit dem Fortschritt in der Umsetzung. Ich bin der Gärtner, d.h. ich bin Administrator im Wiki. Ich habe die Basis geschaffen, auf der die Studenten aufbauen können. Am Ende des Projektes ist die Produktdokumentation ein Ergebnis gemeinsamer Arbeit im Wiki. Die Produktdokumentation wird ein Werk des Teams sein. »

Sebastian nickt, schränkt aber gleichzeitig ein: « Ich glaube dir. Ich kenne aber CARDS+ nicht. Ich muss das Vorgehen prüfen. »

Ein Blick auf die Uhr zeigt Moritz, dass die geplante Dauer von zwei Stunden für dieses erste Treffen beinahe vorüber ist. Sebastian verspricht, ihr Vorgehen so schnell wie möglich zu prüfen und Bescheid zu geben, ob es von der TU akzeptiert wird. Gemeinsam beschließen sie, dass Moritz so schnell wie möglich Gelegenheit bekommt, den Studenten die Methode CARDS+ näher zu bringen.

Der erste Termin des noch jungen Projektes ist zu Ende. Die fünf Studenten wirken motiviert. Sie kennen sich und haben mit Ausnahme von Tim zuvor schon als Team zusammengearbeitet. Moritz ist zufrieden. Er verteilt noch seine Visitenkarte mit dem Hinweis auf seinen Blog. Außerdem sammelt er die Zugangsdaten der Studenten ein, um Konten für die Nutzung der Werkzeuge Confluence, JIRA und GitLab anzulegen.

« Ein gelungener Start! », denkt sich Moritz. Er ist überzeugt, dass vorerst alle notwendigen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt erfüllt wurden.

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