Seit nunmehr fast drei Jahren schreibe ich diesen Blog. Im Schnitt einmal pro Woche verfasste ich einen Beitrag zum Thema Dokumentation im Dunstkreis agiler Methoden. Heute frage ich mich zum ersten Mal, wie es mit meinem Blog weitergehen soll.

Agiles Wissensmanagement ist und bleibt der Leitspruch von CARDS+.  Daran werde ich meine nächsten Schritte ausrichten.

« Warum, was ist passiert? » würde mich jetzt ein geneigter Leser fragen.

Der wohl wichtigste Grund ist meine persönliche Erkenntnis, dass CARDS+ als Idee und Rahmen für eine konkrete Umsetzung funktioniert. Ich bin mir an der Stelle sicher, weil in allen Entwicklungsprojekten, in denen ich in den letzten Jahren mitarbeiten durfte, CARDS+ in der einen oder anderen Variante erfolgreich eingesetzt wurde oder noch immer wird. Ich bin durchaus auch stolz, weil es nicht nur kurzlebige, kleine und mittlerweile abgeschlossene Entwicklungsprojekte waren, sondern auch zwei sehr große, herausfordernde Projekte, deren Ende noch nicht abzusehen ist.

Ein weiterer Grund ist die Reife, die CARDS+ mittlerweile erreicht hat. Natürlich habe ich in den letzten drei Jahren zahlreiches Feedback aus den Projekten bekommen. Ein Teil des Feedbacks ist in die Verbesserung der Bausteine geflossen. Anderes Feedback hat mich dazu bewegt, den Wirkungskreis von CARDS+ zu erweitern. Ausgehend von den Bausteinen der Systembeschreibung, der Systemstruktur und die Architekturdefinition entwickelte ich zusammen mit gleichgesinnten Projektmitarbeitern Bausteine für Betriebsanweisungen und einen Modulkatalog. Die wichtigste Neuerung für CARDS+ kam dieses Jahr dazu: Automatisierung. Damit meine ich den Versuch, technische Spezifikationen der Entwickler oder andere Artefakte aus dem Code-Repository wie Schemadefinitionen, Konfigurationsdateien oder Skripte automatisch bei der Freigabe des Produktinkrementes als Dokumentation im Wiki zu veröffentlichen. Nach meiner Einschätzung ist dieser Schritt ein Quantensprung für die Qualität einer Produktdokumentation.

Ein Auftrag zur Umsetzung der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 (2015) versetzte mich in die Lage, die Konzepte von CARDS+ auf einen komplett neuen Bereich anzuwenden. Das Feedback der Nutzer der daraus entstandenen bausteinbasierten QM-Dokumentation und eines QM-Systems, dass ich “so nebenbei” betreuen konnte, haben mir weitere Bestätigung verschafft, dass CARDS+ tragfähige Konzepte bietet.

Der am Ende wohl wichtigste Grund ist aber die Erkenntnis, dass der Blog kein Medium ist, um jemanden CARDS+ erklären zu können. Der Blog hat mir in den vergangenen drei Jahren geholfen, CARDS+ zu entwickeln. Oft nutzte ich den Blog, um mir meinen persönlichen Frust von der Seele zu schreiben, wenn es im Projekt nicht so lief, wie ich es mir wünschte. Mit meinem Fallbeispiel Reise-Butler schaffte ich mir gedanklich eine heile Welt, in der ich zeigen wollte, dass CARDS+ funktioniert und hilfreich ist. Anfangs war der Reise-Butler ein Konstrukt meiner Phantasie. Mittlerweile ist es die Grundlage für ein komplexes internes Ausbildungsprojekt für moderne Technologien. Eine Realisierung der Anwendung Reise-Butler erscheint möglich.

Es ist Zeit für ein neues Format auf https://cardsplus.info.

CARDS+ kann verkauft werden. Ich rede nicht von einem Geschäftsmodell, an dem ich verdienen will. Es geht darum, Projektverantwortliche von der Wirksamkeit der Methode zu überzeugen. Sie müssen erkennen können, dass CARDS+ richtig angewendet keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet. Sie müssen überzeugt werden, dass eine Produktdokumentation mit CARDS+ hohe Qualität hat und eine Investition in die Zukunft ist. Dafür braucht es Visionen und Beispiele.

CARDS+ ist erlernbar. Dazu sind aber Unterlagen notwendig, die den Einsatz abgrenzen, die Struktur, Bausteine und deren Zusammenspiel erklären und Tipps für die praktische Umsetzung geben.

CARDS+ ist nützlich. Diese Tatsache kann ich leider nicht in zwei Sätzen formulieren. Jeder hat eine Meinung zum Thema Dokumentation. Die einen behaupten, Dokumentation ist verzichtbar, Code ist Dokumentation genug, wir müssen nur miteinander reden. Die anderen fordern Dokumentation, für die es keine Leser gibt, deren Erstellung aber eine Doku-Story oder gar einen ganzen Doku-Sprint erfordert. Keines der beiden Extremposition ist optimal, was sich durch Argumente und Beispiele belegen lässt.

Ich habe mich entschieden, eine neue Website für CARDS+ zu entwickeln. Ich werde daher in nächster Zeit nicht mehr in der Lage sein, einmal wöchentlich einen Beitrag zu schreiben. Interessierte Leser finden mich aber weiterhin in meiner öffentlichen und von mir moderierten Xing-Gruppe, in der ich sehr gerne Fragen zu CARDS+ beantworte.