Die in dieser Internationalen Norm festgelegten Anforderungen sind allgemeiner Natur und auf jede Organisation zutreffend, unabhängig von deren Art oder Größe oder von der Art der von ihr bereitgestellten Produkte und Dienstleistungen.
ISO 9001, Kapitel 1

Die Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 (2015) will also keine spezifischen Vorgaben machen, allgemein bleiben. Für eine praktische Umsetzung ist es daher unbedingt notwendig, den Anwendungsbereich der Norm zu kennen, bestehende Regelungen im Unternehmen und existierende sogenannte dokumentierte Informationen in die QM-Dokumentation zu integrieren oder eine klare, im Rahmen der Norm zulässige Abgrenzung vorzunehmen.

In einem Unternehmen in der IT-Branche gibt es bereits eine große Menge unterschiedlicher Dokumentarten: IT-Vorgabedokumente (z.B. Anforderungen, User-Storys, Spezifikationen, Last- und Pflichtenhefte), IT-Ergebnisdokumente (z.B. Handbücher, Anweisungen für Installation und Betrieb, eine Produktdokumentation) oder Nachweise (z.B. Abnahmeprotokolle, Testergebnisse, Qualitätsberichte), um nur ein paar zu nennen. Alle diese Dokumente sind relevant für die Qualität. Und natürlich auch die Prozesse zur Erstellung und Pflege dieser Dokumente.

Die Bausteine Prozess und Rolle konnte ich aufgrund der Forderung eines prozessorientierten Ansatzes bereits identifizieren. Prozesse sind immer wieder auf bewährte Art und Weise ausgeführte Abfolgen von Tätigkeiten. In der Systematik von CARDS+ sprechen wir bei der weiteren Detaillierung der Prozesse von Bausteinen für Verfahrensanweisungen und Arbeitsaufträgen. Bei den Rollen unterscheide ich bereits die Bereiche QM-System, Projekt- und Linienorganisation. Trotzdem trägt jede Rolle seinen Teil zu einem gut funktionierenden Prozess bei und muss daher im QM-System Berücksichtigung finden.

Unternehmen in der IT-Branche brauchen Projekte, um Software zu produzieren oder ihren Kunden durch Dienstleistungen dabei zu helfen. Projekte sind im Gegensatz zu Prozessen zielgerichtete, einmalige Vorhaben mit einem Beginn und einem Ende. Agile Methoden haben uns in die Lage versetzt, ein Ziel in kleinen Schritten anzustreben. Nach jedem Schritt gibt es eine neue, verbesserte Version des Produktes, das Produktinkrement, und das Ziel für den nächsten Schritt wird überprüft und gegebenenfalls sogar angepasst. Der Baustein Projekt ist daher unvermeidlich für ein QM-System in der IT-Branche.

Damit stellt sich nur mehr die Frage nach der Qualität des Produktes. Für die Beurteilung der Qualität einer Software gibt es Qualitätsmerkmale, wie sie in der internationalen Norm ISO 25010 (2011) vorgeschlagen werden. CARDS+ hilft dabei, Produktwissen in hoher Qualität zu sichern und optimal für die Verwendung im agilen Entwicklungsprozess zur Verfügung zu stellen. Moderne Entwicklungsumgebungen erzwingen die notwendig Qualität in der Software durch eine Reihe von Maßnahmen:

  • Versionierung der Code-Basis.
  • kontinuierliche automatisierte Ausführung von Testfällen.
  • permanente Messung der Code-Qualität.
  • skriptbasierte Lieferung und Installation der Software.
  • kontinuierliche Integration auf einer produktionsnahen Zielumgebung.

So schließt sich der Kreis von Prozess, Projekt und Produkt. Je besser ein QM-System alle drei Dimensionen aufeinander abstimmt und miteinander vernetzt, umso effizienter und effektiver ist ein Unternehmen im Bezug auf Innovation und Qualität.